Bitterorange oder Pomeranze

Bitterorange oder Pomeranze

Citrus aurantium, var, amara

Rautengewächs

Stammt aus China. Wächst in Südfrankreich, Süditalien, Sizilien, Algerien, der Iberischen Halbinsel, Mexiko, Kalifornien, Südamerika und in bestimmten Regionen des Indischen Ozeans.

Durch Veredelung gelang es den Züchtern, den Citrus aurantium, die süße Orange, zu entwickeln.

Verwendete Teile:

Essenz der Orangenblüten (auch Neroli-Essenz genannt), die durch Dampfdestillation der frischen Blüten gewonnen wird. Aus 1 Tonne Blüten erzielt man ungefähr 1 kg Essenz, wobei ein Baum bis zu 30 kg Blüten pro Jahr liefern kann.

Wichtigste bekannte Bestandteile:

30% Linanol, Geraniol, Nerol, Benzoe-, Anthranyl- und Phenolester, Spuren von Indol und Jasmon.

Eigenschaften:

Setzt die Amplitude der Herzkontraktionen herab, vermindert die Empfindlichkeit des sympathischen Nervensystems, leichtes Betäubungsmittel

Anwendungsgebiete:

  • Herzkrämpfe, Herzklopfen
  • chronischer Durchfall, Schlaflosigkeit

Anwendungsart:

1 bis 3 Tr. mehrmals täglich mit etwas Honig

  • Notabene:
  1. Aus den Blüten wird auch das destillierte Orangenblütenwasser gewonnen.
  2. Aus der nicht eßbaren Schale gewinnt man die Bitterorangen-Essenz.
  3. Aus der süßen Orange wird die Portugal-Essenz gewonnen.

In diesem Zusammenhang Auszüge aus dem Artikel von J. Bosse, der in der 1. Nummer der Zeitschrift Journal du Docteur Nature (Frühjahr 1974) erschienen ist:

»Der Bitterorangenbaum liefert uns nicht nur die Blüten, die als Symbol der Reinheit gelten; alle Bestandteile dieses außergewöhnlichen Baumes können nutzbringend für das Wohlergehen der Menschen eingesetzt werden.«

Beginnen wir unsere Detailbetrachtung mit dem Holz:

Da es sehr hart und widerstandsfähig ist, wird es seit mehr als hundert Jahren zur Herstellung von Werkzeuggriffen verwendet (Schaufeln, Spaten, Sensen, Hämmer usw.).

Die Blätter:

Damit der Baum in ausreichender Anzahl Blüten und Früchte produziert, muß er alle zwei Jahre gestutzt werden; dabei werden alte äste entfernt und störende junge Triebe abgeschnitten. Aus diesen wird eine Essenz destilliert, die sowohl in der Arzneimittel- wie auch in der Parfümherstellung Verwendung findet (vor allem als Basis für Kölnisch Wasser).

Die Blätter, vor allem von den jungen Trieben, werden einzeln und mit größter Vorsicht von Ende November bis Mitte Februar gepflückt und im Schatten getrocknet. Als Heiltee wirken sie ausgezeichnet bei Verdauungsbeschwerden, haben aber auch beruhigende, kräftigende, fiebersenkende und die Schweißabsonderung fördernde Eigenschaften. Ein Heiltee aus z/3 Rinde und /3 Blätter stimuliert den Intellekt, verstärkt das Gedächtnis und gibt wieder Freude an der Arbeit.

Die Frucht des Bitterorangenbaumes wird auf die vielfältigste Art und Weise verarbeitet. Das Besondere daran ist, daß man nicht nur die ausgewachsenen, reifen Früchte verwendet, sondern bereits die kleinen. Sobald sie die Größe von Murmeln erreichen, wird ein Teil geerntet. In Zucker kandiert, werden sie von Feinschmeckern sehr geschätzt; in Alkohol eingelegt, stellen sie ein ausgezeichnetes Verdauungsmittel nach einem reichhaltigen Mahl dar.

Die Schale der Bitterorange. Wenn die Frucht ihre endgültige Größe erreicht hat, aber noch grün ist, wird ein Teil geerntet. Dann werden lange Bänder abgeschält, die an Schnüre oder Schilfrohr gehängt und vor Sonne geschützt in kühler Luft trocknen müssen, damit sie ihre grüne Farbe beibehalten.

Diese so getrockneten Schalen sind Basis zur Herstellung vieler Aperitifs oder Verdauungsliköre und werden häufig mit dem Holz des Cola-Baumes, Chinin und verschiedenen Wermut-Arten kombiniert.

Einer der berühmtesten Liköre, der Curacao triple sec wird auf der Basis von getrockneten und dann infusierten Bitterorangen-Schalen hergestellt, ebenso der weltbekannte Fernet-Branca.

Die vollreifen Früchte werden möglichst noch am Produktionsort zu Bitterorangenkonfitüren oder -gelees verarbeitet.

Das Fleisch der reifen Bitterorangen enthält Zitronensäure und wird in der Arzneimittelherstellung (für die Produktion von verdauungsfördernden Salzen) und von der Getränkeindustrie zur Herstellung von kohlesäurehaltigen Limonaden verwendet.

Ein frischgepreßter Orangensaft enthält viel natürliches Vitamin C, erfrischt und kräftigt den Organismus und hilft bei der Ausscheidung von Schlacken. Das Zitral, das sowohl in Orangen wie in Zitronen vorkommt, ist ein ausgezeichnetes Mittel für die Hautregeneration, wird bei vorzeitiger Glatzenbildung geschätzt, hilft bei Vorbeugungsmaßnahmen gegen Karies und unterstützt die Calziumanreicherung des Knochengewebes.

Getrocknete und gemahlene Orangenkerne ergeben einen ausgezeichneten Heiltee bei Verstopfungen.

Knospen, Blüten und Blütenblätter der Bitterorange

In ihnen finden sich Bestandteile, die bei körperlicher und geistiger Ermüdung, überbeanspruchung, Nervosität und Bluthochdruck ausgezeichnete Dienste leisten.

Die Blüten der Bitterorange werden wie die Blätter mit Hilfe von Wasserdampf destilliert. Die so erzielte Essenz, auch Neroli-Essenz oder Neroli-öl genannt, hat einen milden, berauschenden Duft und wird für die besten Kölnisch Wasser und für teure Parfüms verwendet.

Eine Tonne Blüten ergibt im Durchschnitt zwischen 0,7 und 1,2 kg Essenz. Die Herstellungskosten betragen pro kg ca. 12000 französische Franc.

In der Praxis hat es sich eingebürgert, auf das Wort »destilliert« zu verzichten und die Lösung nur als Orangenblütenwasser zu bezeichnen.

Die auf Rosten im Schatten luftig getrockneten Blüten verlieren nur Wasser und Pflanzensaft; die in ihnen enthaltene Essenz bleibt vollständig erhalten (allerdings nur bei schonender Trocknung!). Heiltees aus getrockneten Blüten sind also voll wirksam.

Anwendungsgebiete:

  • Herzkrämpfe, Herzklopfen, Krämpfe allgemein
  • chronischer Durchfall
  • Glieder- und Muskelsteifheit
  • Schlaflosigkeit
  • Beklemmungszustände, depressive Zustände

Regt darüber hinaus den Appetit an und wirkt verdauungsfördernd.

Bei nervösen Babys und Kleinkindern bewirkt ein Heiltee (2 EL Orangenblüten auf ein Fläschchen) als Beruhigungsmittel Wunder, und manchmal hilft es auch bei unerklärlichen Magenschmerzen, von denen Kinder oft befallen werden (obwohl es sicher notwendig ist, in bestimmten Fällen den Rat eines Arztes einzuholen).

Der botanische Name der süßen Orange lautet Citrus sinensis (unsere Apfelsine).

Rechtsdrehendes Borneol oder Kampfer aus Borneo

Er wird von einem Baum gewonnen, dem Dryobalanops camphora, der wild auf Borneo und Sumatra wächst. Die Malaien nennen ihn Capur barros.

Nur der alte Baum sondert das Borneol unter der Rinde in kristallisiertem Zustand und in unterschiedlichen Mengen ab. Der junge Baum liefert eine gelb-klare Flüssigkeit, den sogenannten flüssigen Kampfer.

Wichtigste bekannte Bestandteile:

Ein Alkohol, der sich grundsätzlich vom japanischen Kampfer unterscheidet, da dieser ein Keton ist. Alle Ketone weisen eine gewisse Giftigkeit auf (die wohlbekannte Giftigkeit der Wermut-, Heiligenkraut- und Rauten-Essenzen ist auf deren Ketongehalt zurückzuführen) .

Das Borneol, das lange vor dem Kampfer bekannt war, gilt seit der Antike als Wunderheilmittel. Jahrhunderte hindurch stand es vor allem bei Pestepidemien in hohem Ansehen.

In einer erst kürzlich in Italien gefundenen Vase haben sich pflanzliche Substanzen, die in Borneol aufbewahrt worden waren, mehr als 2000 Jahre erhalten.

Aufgrund seines Aus
sehens und seines Geruchs wird er häufig mit dem japanischen Kampfer, der wesentlich billiger ist, verwechselt. Dabei ist das Borneol völlig ungiftig, zudem als Antiseptikum sehr viel wirksamer.

Das Borneol ist gleichzeitig ein allgemein anerkanntes Stärkungsmittel, was man vom japanischen Kampfer nicht behaupten kann.

Eigenschaften:

Innerlich und äußerlich:

  • starkes Antiseptikum
  • allgemeines Stärkungsmittel, vor allem auch für das Herz
  • die Nebennierenrinde anregend
  • setzt allgemein die Empfindlichkeit herab

Anwendungsgebiete:

  • depressive Zustände
  • Infektionskrankheiten

Anwendungsarten:

in Verbindung mit anderen Essenzen (0,25 bis 0,50%) oder stark verdünnt als intramuskuläre Spritze

auch als äther, als Borneol-Isovalerianat (Bornyval) in Perlen von 0,25 cg, 3 bis 5 Perlen pro Tag, als Beruhigungsmittel, das ähnlich wirkt wie Baldrian.

  • Notabene: Zahlreiche Essenzen aus heimischen Pflanzen (Rosmarin, Ysop …) enthalten ebenfalls Borneol.

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