Melisse

Melisse

Melissa officinalis

Lippenblütler

Volkstümliche Namen: Frauenkraut, Zitronenkraut, Mutterkraut, Herbstkraut

Die Melisse stammt aus dem Mittelmeerraum; ihre Blätter verströmen einen stark zitronenartigen Geruch. Hauptanbaugebiete sind heute das Anjou, die Provence und die Gegend um Milly. Es ist ratsam, sie während der Blütezeit zu pflücken, denn später fängt die Pflanze an zu stinken.

Verwendete Teile:

Blütenknospen und Blätter

Wichtigste bekannte Bestandteile:

Eine Essenz, die einen so geringen Bestandteil der Pflanze ausmacht (0,01 bis 0,1 %), daß es gerade bei dieser Essenz zu vielen Fälschungen kommt. Vor allem Zitronen-Essenz, die einen ähnlichen Geruch aufweist, wird der Melissen-Essenz zugesetzt, ohne daß man es für notwendig hält, dies anzugeben. Die Forscher an der Universität von Montpellier sahen sich nicht in der Lage, im Handel reine Essenzen aufzutreiben, so daß sie sich entschlossen, die Pflanze selbst anzubauen und die Essenz für ihre Forschungszwecke selbst herzustellen (siehe NB 2).

Die Ergebnisse der verschiedenen Forschungen sind widersprüchlich, vor allem in bezug auf den prozentualen Anteil der verschiedenen Bestandteile, was man mit den verschiedenen Destillier-Methoden, aber auch mit einem vegetativ stark unterschiedlichen Ablauf des Pflanzenjahres erklären könnte, zwei Probleme, die bei der Beschäftigung mit reinen Essenzen immer wieder auftauchen.

Laut J. Pellecuer und seinen Kollegen enthält die Essenz 54% Kohlenwasserstoffe, vor allem Sesquiterpene, die sauerstoffhaltigen Bestandteile sind vor allem das Citral a und b und sesquiterpenische Alkohole. Die Forscher entdeckten auch als erste Thymol, Oktylbenzoat und lsogeraniol.

Andere Forscher wiesen Aldehyde nach (4-5% [darunter Citral und Citronellal] und Alkohole (35-38%), darunter Citrollenol (6-8%), Linalol (12-14%), Geraniol (12-20%), dann Tannin, Harz, Bernsteinsäure …

Eigenschaften:

  • anregende Auswirkungen auf Gehirn, Herz, Muttermund und Verdauungsapparat
  • krampflösend
  • körperlich und geistig stimulierend (gilt als ein Mittel, das die Langlebigkeit fördert)
  • die Gallenabsonderung fördernd (laut Chabrol und Kollegen)
  • den Magen stärkend
  • blähungsbekämpfend
  • die Monatsblutungen unterstützend
  • schweißtreibend
  • wurmtreibend

Achtung, die Melissen-Essenz ist, wie alle anderen, keineswegs absolut harmlos. 2 g, nüchtern eingenommen, haben, laut Cadeac und Meunier, allgemeine Abgespanntheit zur Folge, die oft zum Schlaf führt, begleitet von einer Verlangsamung des Pulses und einem Absinken des Blutdrucks.

Anwendungsgebiete:

Innerlich:

  • Migräne (die auf Verdauungsschwierigkeiten beruht)
  • Schmerzen (vor allem des Gesichts, der Ohren, der Zähne und des Kopfes)
  • leichte Erregbarkeit des Gemüts
  • Schlaflosigkeit, besonders nervöse Schlaflosigkeit
  • Nervenkrisen, Krämpfe, Epilepsie
  • Herzstolpern, Schwindelzustände, Ohrensausen
  • Krämpfe (Asthma, aber auch Darm- und Herzkrämpfe)
  • Schwangerschaftserbrechen
  • Gedächtnisschwierigkeiten, Melancholie
  • schmerzhafte Monatsblutungen
  • Blutarmut

äußerlich:

  • Insektenstiche (Wespen u. a.)

Anwendungsarten:

Innerlich:

Heiltee: 1 TL Blüten oder Blätter auf 1 Tasse kochendes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen. 3 Tassen täglich.
20 g auf 1 l Weißwein. 2 bis 3 Minuten kochen lassen, l/. Glas zweimal täglich.

Melissenwasser: 10 bis 20 g täglich in einem Getränk.

Melissengeist: 2 bis 5 g täglich in einem Getränk oder auf Würfelzucker.

Muttertinktur: 40 bis 50 Tr. in einem Orangenblütentee, nach den Mahlzeiten.

Melissengeist der Karmeliterinnen von Paris (Adresse: 1611, rue Vaugirard, Paris), in Tonkrügen verkauft: Weingeist (33%) 3 I, Blumen und Blätter der Melisse 500 g, getrocknete Angelikawurzeln 16 g, Schale von unbehandelten Zitronen 125 g, 9 Tage in einem verschlossenen, lichtundurchlässigen Gefäß ziehen lassen. Jeden Tag schütteln.

Durchseihen, dabei den Saft ausdrücken, wieder in das Gefäß zurückgeben und folgendes hinzufügen: Koriander 200 g, grob geriebene Muskatnuß 40 g, grob zerstoßener Zimt 4 g, Gewürznelke 2 g, verschließen, weitere 8 Tage ziehen lassen, dabei jeden Tag schütteln. Durchseihen, gut ausdrücken, mit 350 g destilliertem Wasser auffüllen, 24 h ruhen lassen, wieder filtern, in dunkle Flaschen abfüllen und verkorken. Innerlich kleine Gläschen vor oder nach den Mahlzeiten (magenstärkend, krampflösend), äußerlich auf Schnitt- und andere Wunden.

Nicht einnehmen, wenn der Durst aufgrund starker Hitze sehr groß ist.

äußerlich:

Melissenöl zum Einreiben (Migräne, Rheuma)

Sud aus Blättern, einem Vollbad beigesetzt (beruhigend bei nervösen Zuständen, Krämpfen und schmerzhaften Monatsblutungen)

die Blätter als Kompressen: bei geschwollenen Brüsten und blutunterlaufenen Stellen

Saft der frischen Melisse: auf Insektenstiche

zur Abwehr von Insekten (Mücken etc.), Stop-Insectes

  • Notabene:
  1. Die Blätter sind ein ausgezeichnetes Gewürz von Suppen, Salaten und Ragouts; in Belgien und Holland werden sie auch für eingelegten Hering und eingelegten Aal verwendet.
  2. J. Pellecuer, F. Enjalbert, J.-M. Bessiere, G. Privot: »Contribution ä I’etude de I’huile essentielle de melisse: melissa officinalis L.« (Beitrag zum Studium des ätherischen öles der Melisse: Melissa officinalis L.), Fakultät für Pharmazie der Universität Montpellier, veröffentlicht in Plantes medicinales et phytotherapie, 1981, Band XV.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: