Terpentin

Terpentin

Terpentine sind Harze, die aus bestimmten Arten von Nadelhölzern und terpentinhaltigen Gewächsen (Pinus laricio, Pinus maritima, Pinus sylvestris, Pinus palustris, Abies pectinata usw.) gewonnen werden.

Sie sind von weicher Beschaffenheit und entstehen durch die Auflösung harziger Bestandteile in einer Mischung aus flüssigen Kohlenstoffen.

Sie enthalten Terpene, mono- und bizyklische Kohlenstoffe, Säuren, Alkohole mit hohem Molekulargewicht usw.

Wir unterscheiden folgende Arten:

  1. Das Terpentin der Fichte, auch Terpentin aus Bordeaux genannt. Es handelt sich dabei um das gewöhnliche Terpentin, das aus dem Pinus pinaster gewonnen wird. In der Arzneimittelindustrie wird es hauptsächlich in Form von Pillen und Sirup verwendet.
  2. Das Terpentin derLärche, auch venezianisches Terpentin genannt, das aus der Larix decidua gewonnen wird. Es findet hauptsächlich bei Verbänden und Balsamen Anwendung.
  3. Das Terpentin der Tanne, auch elsässisches Terpentin oder Terpentin aus den Vogesen genannt, das aus der Abies pectinata gewonnen wird. Mit Wasser gekocht, wird seine Essenz entfernt; auf diese Weise kann man das sogenannte gekochte Terpentin erzielen.

Eigenschaften:

  • den Auswurf fördernd, verändert die Bronchialsekretion
  • balsamisch und antiseptisch

Anwendungsgebiete:

  • chronische Bronchitis, Katarrhe
  • Harnwegsinfektionen: Nierenbeckenentzündungen, Harnröhrenentzündungen, Blasenentzündungen

Anwendungsarten:

Innerlich:

in Pillenform (dem französischen Arzneimittelkodex entsprechend): 3 bis 10 täglich (ä 0,20 g).

in Sirup (dem französischen Arzneimittelkodex entsprechend): 50 bis 100 g täglich

äußerlich:

Verbände Fioravanti-Balsam (dem französischen Arzneimittelkodex entsprechend)

Terpentin-Essenz

Die Essenz wird durch die Destillierung des Terpentins gewonnen, wobei hauptsächlich das Fichten-Terpentin benutzt wird. Man verwendet dabei Wasser oder nicht überhitzten Wasserdampf. Die Essenz muß gereinigt werden, denn sie ist klebrig gefärbt und sauer.

Die in der Arzneimittelherstellung verwendete Essenz besteht vor allem aus linksdrehendem Terpentin. Zusammen mit Wasser, aber hauptsächlich mit Luft bildet sie ein Hydrat, das Terpin (das, in kleinen Dosen, die Lungensekretion verflüssigt und harntreibend wirkt). Oxydantien greifen die Terpentin-Essenz scharf an. Oxydierte Essenz hat oxydierende Eigenschaften, die denen des Ozons gleichen.

Eigenschaften (zum Teil schon Hippokrates, Dioskurides und Galen bekannt):

Innerlich:

  • verändert die Lungensekretion und begünstigt sie gleichzeitig
  • balsamisch, antiseptisch (Lunge und Genital- und Harntrakt, Richet und Hericaut), ist als Antiseptikum besonders bei Streptokokken wirksam, verabreicht zumeist als subkutane Spritzen (künstliches, terpentiniertes Serum, 1/200), oder als Vaginalinjektion (als Emulsion vermischt mit Panama-Holz).
  • blutstillend, Gallensteine auflösend
  • krampflösend, rheumabekämpfend
  • wurmtreibend
  • Gegengift zu Phosphor, dessen Oxydierung es unterbindet, vor allem, wenn es schon alt ist

äußerlich:

  • parasitenbekämpfend
  • schmerzlindernd
  • ableitend
  • antiseptisch und wundheilend

Anwendungsgebiete:

Innerlich:

  • chronische und übelriechende Bronchitis, Lungentuberkulose
  • Harnwegs- und Nierenentzündungen, Blasenentzündungen, Harnröhrenentzündungen
  • Weißfluß
  • Kindbettfieber
  • Darm-, Lungen-, Gebärmutter-, Nasenblutungen; Bluterkrankheit
  • Gallensteine
  • Verminderung der Harnausscheidung
  • Wassersucht
  • Rheuma
  • Krämpfe (Darm, Keuchhusten)
  • Blähungen
  • Migräne
  • Darmparasiten (vor allem Bandwurm)
  • hartnäckige Verstopfung
  • Epilepsie
  • bei versehentlicher Einnahme von Phosphor

äußerlich:

  • Rheuma, Gicht, Neuralgien, Ischias
  • schlecht heilende und brandige Wunden
  • Krätze, Haarausfall
  • Weißfluß, Kindbettinfektionen

Anwendungsarten:

Innerlich:

Terpentin-Essenz ist viermal so wirksam wie Terpentin: 1 bis 4 g täglich in Kapseln oder Perlen zu 0,25 g (4 bis 16 Kapseln pro Tag). Oder 6 bis 10 Tr. in Honig drei- bis viermal täglich.

Kinder: 0,20 g pro Lebensjahr täglich.

Sirup: 50 bis 100 g täglich

Pillen gegen Nieren- und Blaseninfektionenen: gereinigtes Terpentin 0,10 g, Kampfer 0,10 g, Opiumextrakt 0,01 g, Eisenhutextrakt 0,01 g pro Pille, 3-4. Pillen täglich

Pillen gegen chronische Bronchitis: gereinigtes Terpentin 0,1 g, Soda-Benzoat 0,1 g pro Pille, 5 bis 10 Pillen täglich

Sirup gegen chronische Bronchitis: Terpentinsirup 50 g, Teersirup 50 g, Tolusirup 50 g, Kodeinsirup 50 g, 3 EL täglich

Durande-Mixtur gegen Gallensteine: Medizinischer äther 20 g, Terpentin Essenz 10 g, 15 bis 30 Tr. täglich

als Gegengift bei Phosphorvergiftungen: 5 bis 15 g in einer gummihaltigen Lösung, dem kohlensaures Natron hinzugefügt wurde. 2 g täglich während 4 bis 5 Tagen

Emulsion gegen Phosphorvergiftungen: Terpentin-Essenz 5 bis 10 g, Eigelb 1 Stück, PfefferminzSirup 50 g, Wasser 100 g, alle 2 bis 3 Stunden 1 EL

äußerlich:

als Inhalation: Terpentin-Essenz 10 g, Eukalyptus-Tinktur 30 g, Benzoeharz-Tinktur 30 g, 1 TL auf eine Schale kochendes Wasser zum Einreiben bei schlecht heilenden und brandigen Wunden, Rheumatismus und Neuralgien. Siehe auch unter Ingwer das Rezept zur Rheumabekämpfung.

Balsam bei Rheumaschmerzen: Fioravanti-Balsam 250 g, Seife 30 g, Kampfer 25 g, Ammoniak 8 g, Rosmarin-Essenz 6 g, Thymian-Essenz 2 g, zum Einreiben

Badeemulsion: Terpentin-Essenz 200 g, Schmierseifenlösung (1/4) 200 g, gut miteinander vermischen. Die Hälfte für ein Vollbad, 1 oder 2 EL für Teilbäder (Unterarm). Gegen Rheuma

Emulsion intravaginal oder intrauterine Injektionen: Terpentin-Essenz 50 g, Quillaja-Tinktur 5 g, sterilisiertes Wasser 600 g, gut miteinander vermischen. 2 EL auf 1 l abgekochtes Wasser (Kindbettinfektionen)

parasitenbekämpfend (Läuse)

  • Notabene:
  1. Fioravanti-Balsam, der in vielen Werken über flüchtige Essenzen erwähnt wird, ist ein aus verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzter Terpentin-Geist. Zu seiner Herstellung werden Alkohol, Terpentin und 15 aromatische und harzhaltige Substanzen zusammen destilliert (siehe S. 369).
  2. Das »Harlem-öI« setzt sich aus geschwefeltem Leinsamenöl und Terpentin-Essenz zusammen und wird bei Leber- und Nierenbeschwerden, Rheuma und Bronchitis empfohlen. Das »unverfälschte Harlem-öl – Licence Thomas« hat mir in meiner Praxis immer zu guten Resultaten verholfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: