Zimt aus Ceylon

Zimt aus Ceylon

Cinnamonum zeylanicum

Lorbeergewächs

Ceylonesischer Zimt (auch Kaneel) ist der berühmteste. Der immergrüne Zimtbaum wächst auf Sri Lanka, in Ostindien, auf den Antillen, auf Java, Madagaskar usw. Alle zwei Jahre wird die innere Rinde der jungen Triebe geerntet, getrocknet, in Stücke geteilt, verpackt und in Form von kleinen Zylindern in den Handel gebracht.

Chinesischer Zimt ist weniger geschätzt; er stammt vom Cinnamonum cassia, einem Baum, der in Annam und Mittelchina zu Hause ist. Das Pulver des chinesischen Zimtes ist rötlicher als das des ceylonesischen.

Verwendete Teile:

Die Rinde und die Essenz, die mit Hilfe von Dampf aus der Rinde und den Blättern destilliert wird.

Wichtigste bekannte Bestandteile:

das ätherische öl enthält 65-75% Cinnam-Aldehyd, 4-10% Eugenol, Kohlenstoffe, Terpen-Alkohole, I-Pinen, Cineol, Phellandren, Furfurol, Cymen, Linalol, Zucker, Schleim, Tannin, Stärke, Mannit … Die aus den Blättern gewonnene Essenz enthält 70-75% Eugenol, nur 3% Cinnam-Aldehyd, Benzyl-Benzoat, Linalol, Safrol …

Eigenschaften:

Innerlich:

  • stimulierend auf Kreislauf-, Herz- und Atemfunktionen
  • verdauungsfördernd, magenstärkend
  • antiseptisch, fäulnishemmend (ceylonesischer Zimt tötet den Typhus-Erreger noch in einer Dosis von 1/300)
  • blähungsbekämpfend
  • wurmtreibend
  • krampflösend
  • leicht zusammenziehend, blutstillend
  • leicht aphrodisisch
  • das Einsetzen der Monatsblutung fördernd (man hat ihn schon verdächtigt, abtreibend zu wirken)
  • bewirkt eine leichte Erhöhung der Körpertemperatur, der Speichelproduktion, der Augenflüssigkeit und der Nasensekretion

äußerlich:

parasitenbekämpfend

Anwendungsgebiete:

Innerlich:

  • allgemeine Schwächezustände
  • Steifheit der Glieder und Muskelschmerzen infolge von Fieber, Grippe und Erkältungskrankheiten
  • Schwächezustände bei Grippe
  • Herzrhythmusstörung
  • Magenschwäche, Verdauungsbeschwerden
  • Darmparasiten
  • Darmkrämpfe, Durchfall
  • Gebärmutterblutungen, Weißfluß
  • Blutspucken, Impotenz
  • ungenügende Monatsblutungen
  • früher während der kalten Jahreszeit Melancholikern, Verdauungsschwachen und Greisen sehr empfohlen

äußerlich:

  • Läusebefall, Krätze
  • Wespenstiche, Schlangenbisse

Anwendungsarten:

Innerlich:

Heiltee: 8 bis 15 g Rinde auf 1 I Wasser

gemahlen: 0,50 bis 2 g täglich

destilliertes Zimtwasser: 10 bis 50 g in Sirup oder Getränk

Tinktur (1/5): 1,5 bis 10 g in Sirup oder Getränk als Glühweingewürz bei Erkältungen, Gliedersteifheit, Grippe

Essenz: 2 bis 3 Tr. zweimal täglich mit Honig oder alkoholischer Lösung; durchschnittliche Tagesdosis 0,05 bis 0,3 g.

bei Grippe: 0,05 ccm alle zwei Stunden

bei Cholera: 5 bis 10 Tr. alle 30 Minuten

Mischung bei Verdauungsschwierigkeiten: Blätter der schwarzen Johannisbeere 10 g, ceylonesischer Zimt 1 g, Gewürznelke 1 g, für 1 l Wasser als Heiltee. Eine Tasse nach jeder Mahlzeit

bei Gebärmutterblutungen als Getränk: Zimt-Tinktur 25 g, Zimtwasser 150 g, Essigäther 5 g, Bitterorangensirup 30 g, innerhalb von 24 Stunden trinken

äußerlich:

kann, mit anderen Essenzen vermischt, für Inhalationszwecke verwendet werden (bei Krankheiten der Atemwege)

gegen Läusebefall und Krätze: Zimt-Essenz 2,5 g, Thymian-Essenz 2,5 g, Rosmarin-Essenz 2,5 g, Fichten-Essenz 2,5 g, Soda-Sulforicinat (30%) 90 g.

Gegen Krätze: siehe unter Lavendel die Helmerisch-Pomade

Essenz auf Wespenstiche und Schlangenbisse (nur zusätzliche Behandlung!) auftragen

  • Notabene:
  1. Zimt ist Bestandteil von vielen fertigen Präparaten, zum Beispiel dem Garus-Elixier, dem Toddschen Heiltrank, von Präparaten auf Melissengeist-Basis, von Hals-Pastillen, Zahnpasten usw.
  2. Herzstärkendes Getränk nach dem französischen Arzneimittelkodex: Zimt-Tinktur 10 g, Banyuls (ein Aperitif auf Rotweinbasis) 150 g, Sirup 40 g.
  3. HerzstärkenderZimtwein (Höpitaux de Paris): Rotwein 100 g, Zimt-Tinktur 8 g, Melissengeist 6 g, einfacher Sirup 30 g. (Das Rezept ist mit dem 1821 von den Höpitaux Militaires erstellten identisch.)
  4. Aromatische Arnika-Tinktur setzt sich wie folgt zusammen: Arnika-Blüten, 50 g, Gewürznelken 10 g, Zimt 10 g, Ingwer 10 g, Anis 100 g, Alkohol 1 I, 8 Tage ziehen lassen. Filtern.
    Bei Stürzen und Quetschungen zwei- bis dreimal täglich 1 TL in einem 112 Glas Zuckerwasser; gutes Zahnschmerzmittel,
  5. Das antiseptische Elixier Chaussiers besteht aus: Chinarinde 64 g, Cascara-Rinde 16 g, Safran 2 g, spanischer Wein 500 g, Zimt 12 g, Schnaps 500 g, einige Tage ziehen lassen, dann folgendes hinzufügen:
    Zucker 150 g, geschwefelter äther 6 g, gegen Typhus (wurde in den Jahren 1814/15 benutzt).
  6. Italienische Essenz: Zimt 90 g, Kardamon (großer) 60 g, Gargant 60 g, Gewürznelke 15 g, Pfeffer (länglicher) 12 g, Muskat 8 g, graue Ambra 0,2 g, Moschus 0,2 g, Alkohol (90%) 1 I, ziehen lassen und filtern als Aphrodisiakum 20 bis 30 Tr. auf 1 Würfelzucker
  7. aphrodisischer Wein: Vanille-Stange 30 g, Zimt 30 g, Ginseng 30 g, Rhabarber 30 g, Malaga oder alter Chablis 1 I, 2 Wochen stehen lassen, dabei täglich schütteln. Filtern, dann 15 Tr. Ambra-Essenz hinzugeben.
  8. Likör »Perfekte Liebe«: Zitronenschale 40 g, Thymian 30 g, Zimt 15 g, Vanille 10 g, Koriander 10 g, Macis 10 g, Schnaps 2 I, 2 Wochen ziehen lassen, dann filtern und mit einem Zuckersirup aus 2 kg Zucker und 1 I Wasser verdünnen.
  9. Siehe unter Gewürznelke das Rezept für ein Zahnelixier und für den englischen aromatischen Essig.
    Siehe unter Ysop das Rezept des Pflanzenelixiers der Grande Chartreuse.
  10. Zimt war in den vergangenen Jahrhunderten ein sehr kostspieliges Gewürz. Wer es sich leisten konnte, verwendete ihn beim Backen und vor allem beim berühmten Hypocras-Wein.* Auch in der Pharmazie wurde er häufig verwendet. Außerdem diente er als Weihrauch und als Parfüm.
  11. Ein von fH. Leclerc übermitteltes Feinschmecker-Rezept: gegrilltes Weißbrot mit Butter bestreichen und noch heiß mit Zimt bestäuben.
    Früher trug man kleine Döschen mit Aromaten, darunter auch Zimt, bei sich, um sich vor ansteckenden Krankheiten zu schützen. Chamberland schrieb 1887, daß drei Essenzen »die größte äntiseptische Kraft besitzen und entweder mit Hilfe des verströmenden Geruchs oder in Getränken aufgelöst wirken«. Er sprach vom ceylonesischen und chinesischen Zimt und vom Origano.
  12. Zum Schluß ein praktisch unfehlbares Rezept: Bei den ersten Anzeichen von Grippe oder Erkältung – je früher, desto besser! -greifen Sie zu einem alten »Hausmittel«: ein Grog, den Sie mit dem Saft einer halben Zitrone und 1 EL Honig vermischen. Der Trick: In dem Wasser, das sie für den Grog verwenden, haben Sie vorab eine Gewürznelke und ein Stück Zimt zwei bis drei Minuten kochen und dann 20 Minuten ziehen lassen.

* Gewürzter Wein, dem man Zucker, Zimt, Ingwer und Gewürznelke beigab. Eigentlich: Hippokrates-Wein.

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