Schlussfolgerungen

Wissenschaftliche Forschungsarbeiten

sollten immer und einzig darauf abzielen,

das Forschungsobjekt in all seinen

Schattierungen kennenzulernen,

ohne daß der Forscher sich die Frage stellt,

ob er daraus praktischen Nutzen ziehen kann.

Charles Richet

Es gibt immer einen Augenblick, in dem wissenschaftliche Forschungen, so zusammenhanglos sie auch zu sein scheinen, die Ketten sichtbar werden lassen, die sie zusammenhalten, und so Wege aufzeigen, die zu einer glücklichen Entwicklung führen.

Die empirisch nachgewiesenen therapeutischen Werte von Essenzen werden von vielen zeitgenössischen wissenschaftlichen Arbeiten bestätigt; das heißt, sie existieren real, was manchen vielleicht erstaunen mag.

Diese Arbeiten scheinen mir in ausreichendem Maße zu belegen, daß die, wie F. Decaux schreibt*, »Phytotherapie ihren Anspruch auf Vorrang und Adel mit dem nützlicheren verbinden kann, eine moderne Heilmethode zu sein, und zwar sowohl im Hinblick auf die Entdeckung und Verwendung zahlreicher neuer pflanzlicher Drogen, als auch aufgrund der breiten Anwendungsmöglichkeit, die sie uns heute schenkt«.

* F. Decaux: Perennite de la Phytotherapie (Langlebigkeit der Phytotherapie), in Gazette medicale (7963).

Allein vom Standpunkt der Antisepsis aus gesehen ist es überraschend und gleichzeitig erschreckend, in welchen Mißkredit die Aromatherapie geraten ist in den hundert Jahren, die uns von den ersten Pionierarbeiten Chamberlands auf diesem Gebiet trennen. Zweifellos kann man diesen Widerspruch nur durch die Konkurrenz der chemisch hergestellten Antiseptika, wie Hypochlorit und mit Sauerstoff angereichertes Wasser, erklären.

An allem zweifeln oder alles glauben, zwei bequeme Lösungen, die uns das Nachdenken abnehmen, schrieb einmal Henri Poincare. Normalerweise lehnen Menschen das ab, was sie nicht verstehen. Dem ist entgegenzuhalten, daß »eine gesunde Philosophie empfiehlt, Tatsachen nicht abzulehnen, nur weil sie unseren Ideen und Theorien entgegengesetzt sind, sondern zu versuchen, sie kennenzulernen«.*

* Gazette medicale (1833).

Genau das aber geschah im Hinblick auf Pflanzen-Essenzen. übersehen wurde dabei, daß sie dem Arzt eine unendliche Vielzahl von wirksamen und in den meisten Fällen ungiftigen Arzneimitteln in die Hand gibt.

Im übrigen sollte in der Medizin eine anspruchsvolle, wählerische Haltung als Tugend angesehen werden. »Man sollte immer zu den wirkungsvollsten Therapien greifen, gleichgültig, wo sich diese finden lassen.«

Besonders dann, wenn sich diese leicht finden lassen und, wie die Behandlung mit ätherischen ölen, den Vorzug haben, sowohl auf einen Teil des Körpers wie auf den ganzen Körper einzuwirken: auf einen Teil, weil sie grundsätzlich die Fähigkeit haben, auf das Ganze einzuwirken, und auf das Ganze, weil sie gerade einzelne Teile wirksam heilen. »Ein Organismus ist nicht die einfache Zusammenfügung verschiedener Gewebe«, schrieb Paul Foulque, »er stellt ein

Ganzes dar und funktioniert wie ein Ganzes. Ein Organ arbeitet niemals allein … Ein Organismus ist keine Maschine, bei der die Einzelteile ihre Aufgaben erledigen, ohne sich um die Funktion der anderen Teile zu kümmern: bei lebenden Organismen hat jeder Teil Anteil am Ganzen … Eine Maschine wird gemacht, ein Organismus macht sich selbst und macht sich immer wieder selbst neu.«

Natürlich bin ich nicht von dem kindlichen Wunsch besessen, die immensen Wohltaten, die andere Behandlungsformen aufweisen, abzuleugnen. Im Gegenteil, ich nehme alles an, was heilen oder erleichtern kann, ohne zu schädigen.

Natürlich habe ich auch nicht die Arroganz, behaupten zu wollen, ein komplettes Werk über die ätherischen öle geschrieben zu haben.

Diejenigen Essenzen, die meine Leser in diesem Buch finden, haben den großen Vorteil, bereits seit undenkbaren Zeiten bekannt zu sein und heute von vielen ärzten zu Heilzwecken eingesetzt zu werden.

Diese Liste wird in der Zukunft nur wachsen. Doch schon heute haben wir in der Aromatherapie ein kostbares und vielseitiges Werkzeug gegen Krankheiten in den Händen.

Dieses Werkzeug ist um so kostbarer, als sich die Essenzen nicht darauf beschränken, zu heilen oder zu erleichtern. Durch die Milieuveränderungen, die sie auslösen, dienen sie gleichzeitig als hervorragendes Vorbeugungsmittel gegen die verschiedensten Krankheiten.

Ohne näher auf das einzugehen, was zu einer gesunden Ernährungsweise gehört, möchte ich wiederholen, daß die Hausfrau bei der täglichen Essenszubereitung die Würzpflanzen benutzen und so von den in ihnen enthaltenen Essenzen profitieren sollte.

Hippokrates wies darauf hin, daß es nicht ausreicht, Krankheiten zu heilen, sondern daß man den Menschen beibringen muß, wie sie ihre Gesundheit bewahren können. Bei der Bewahrung der Gesundheit aber spielen die Aromen eine ausschlaggebende Rolle. Zum Schluß möchte ich ein französisches Sprichwort zitieren, das vielleicht manchem zu denken geben wird:

»Die Krankheit tritt durch eine Tür ein, die so groß ist wie. das Rad eines Ochsenkarrens, und verläßt den Körper durch eine öffnung, die so klein ist wie ein Nadelöhr.«

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