Verwendung

Ernte, Aufbewahrung und Verwendung von Pflanzen in der Heilkunde

Von der Ernte und der Aufbewahrung hängt die Wirksamkeit von Pflanzen ab, die bei unsachgemäßer Behandlung einen Teil ihrer Wirkstoffe verlieren können.

Getrocknet werden sie an der Sonne, im Ofen oder in besonders dafür eingerichteten Trocknungsanlagen.

Blüten müssen in der Regel vor Licht, Hitze und Feuchtigkeit geschützt werden. Vor dem Trocknen werden fremde, abgestorbene oder beschädigte Teile entfernt. Man lagert die Pflanzen auf Rosten oder hängt sie, zu Sträußchen verschnürt, auf.

Wurzeln werden normalerweise an der Luft getrocknet und vor Feuchtigkeit geschützt. Schleimhaltige Wurzeln trocknet man in öfen. Rinde und Holz werden an der Sonne oder in Trocknungsanlagen getrocknet und vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt.

Häufig werden Blüten, Blätter und Samen auch auf Dachböden getrocknet. Zur Aufbewahrung eignen sich Blechschachteln. Der Raum, in dem sie aufbewahrt werden, muß trocken sein.

Am besten istes, die Pflanzen an einem sonnigen Tag morgens nach dem Frühtau zu ernten.

  • Blätter sollten geerntet werden, bevor sie ihre volle Größe erreicht haben, spätestens in dem Augenblick, in dem sich die Blütenknospen bilden (von den Pflanzen abgesehen, bei denen die Blätter isoliert oder die Blütenspitzen verwendet werden, zum Beispiel bei den Lippenblütlern).
  • Blüten und Knospen sammelt man im Frühjahr, die Beeren im Herbst, die Wurzeln im Frühjahr oder Herbst, die Rinden von Bäumen im Winter, die von Sträuchern im Herbst und harzhaltige Rinden im Frühjahr.

Die Mißachtung dieser elementaren Regeln hat viel zu der bedauerlichen Tatsache beigetragen, daß die Pflanzen in Mißkredit geraten sind.

Verwendung von Pflanzen als Tee oder als Sud

Frische und getrocknete Pflanzen werden in gleicher Dosierung verwendet; frische Pflanzen sind schwerer, ihre Wirkstoffe dagegen aktiver.

1 Prise entspricht 2 bis 3 g

1 TL 5g – 1 EL 10g

1 Handvoll 30 bis 40 g

Alle Mengenangaben gelten, falls nicht anders angegeben, für Erwachsene. Für Kinder werden Tees und Sude in der gleichen Weise zubereitet und dann mit Wasser verdünnt:

1 Jahr: 1 Teil Tee auf 4 Teile Wasser

1-3 Jahre: 2 T. Tee auf 3 T. Wasser

3-5 Jahre: 3 T. Tee auf 2 T. Wasser

5-10 Jahre: 4 T. Tee auf 1 T. Wasser

Es ist zuweilen notwendig, die individuellen Reaktionen zu erforschen; dies gilt für Erwachsene, in stärkerem Maße natürlich für Kinder.

Sollen Pflanzen gekocht werden, setzt man sie mit kaltem Wasser auf und bringt es zum Kochen.

Besser ist es, die Tees nicht zu zuckern; notfalls kann man sich mit Honig behelfen.

Einmal aufkochen lassen« bedeutet: die ersten großen Blasen abzuwarten, dann den Topf vom Feuer zu nehmen und den Tee die angegebene Zeit ziehen zu lassen.

Im allgemeinen werden Wurzeln, Stengel oder Rinden 5 bis 10 Minuten gekocht.

Ganze Pflanzen, Blätter, Samen und Blütenspitzen läßt man in der Regel einmal aufkochen und dann ziehen.

Wenn nur »ziehen lassen« angegeben ist, hauptsächlich bei Blüten, bedeutet dies, daß man mit kochendem Wasser die Blüten überbrüht.

Es ist empfehlenswert, emaillierte Kochtöpfe und keine aus reinem Metall zu verwenden.

Die verschiedenen Formen, unter denen Pflanzen in der Heilkunde Anwendung finden

Alkohol-Extrakt: Wird durch das Einlegen der Pflanze in Alkohol gewonnen.

Aromatische Bäder: 500 g (bei Kindern 250 g) Aromastoffe in einen Beutel geben, mit 3 bis 4 Liter kochendem Wasser überbrühen, 10 bis 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dem Badewasser zusetzen.

  1. Fichtennadeln: stärkend. Auch bei Rheuma und Gicht empfohlen; Fußbäder bei starkem Fußschweiß.
  2. Lavendel: beruhigend (bei Schlaflosigkeit und nervöser Unruhe). Auch für schwache oder empfindliche Kinder empfehlenswert. Mit Fichtennadeln-, Rosmarin- und Algenbädern abwechseln.
  3. Majoran: stärkend (wie Thymian).
  4. Rosmarin: stärkend, hauptsächlich für Kinder. Auch bei Rheuma empfohlen. Hilft bei Sehschwäche.
  5. Salbei: stärkend, für schwächliche, rachitische oder an Skrofulose leidende Kinder. Bei Rheuma empfohlen.
  6. Terpentin: bei Rheuma.
  7. Thymian: stärkend; bei Arthritis, Rheuma, Gicht und chronischen Lungenkrankheiten.
  8. Wacholder: bei Arthritis und Rheuma.

Bäder mit Essenzen und Algen: Die Verbindung von bestimmten Meeresalgen mit aromatischen Essenzen ermöglicht es, Bäder heute zahlreicher anzuwenden als früher. Hier die wichtigsten Indikationen: übergewicht, Zellulitis, Erkrankungen des Lymphdrüsensystems, zögernde Rekonvaleszenz, Blutarmut, chronischer Rheumatismus, Kreislaufbeschwerden, Mineralmangel, frühzeitiges Altern, Beschwerden in der Post-Menopause, gewisse Hautkrankheiten (»Alg-Essences«, siehe Seite 392 und die Kapitel im Anhang).

Destilliertes aromatisiertes Wasser: zum Beispiel Orangenblüten- oder Rosenwasser.

Dicksaft: schweißtreibender Sirup zur Blutreinigung.

Einreibungen: mit Salben (siehe dort) oder Flüssigkeiten, mittels der Hand, einem Schwamm, einer Bürste oder einem Tuch.

Extrakt: Substanz, die durch Verdampfen einer wasser-, alkoholoder ätherhaltigen Flüssigkeit gewonnen wird.

flüssiger Extrakt: wie oben; in diesem Fall wird die Verdampfung relativ frühzeitig beendet

weicher Extrakt: siehe oben; in diesem Fall wird die Verdampfung beendet, sobald die Substanz die Konsistenz von Honig erreicht hat.

Intrakt: Extrakt, der nur von der Pflanze in ihrer ursprünglichen Form (nicht von flüssigen Auszügen) gewonnen werden kann.

Kräutersäfte:

Bitterer Kräutersaft, gleichzeitig Aperitif (Gallenleiden):

Engelwurz (grüne Stengel) 1 kleine Handvoll

Erdrauch 2 große Handvoll

wilde Stiefmütterchen 2 große Handvoll

Wegwarte 2 große Handvoll

Löwenzahn 2 große Handvoll

Bitterer und stärkender Kräutersaft (Schwächezustände):

Pfefferminze 1 kleine Handvoll

Ehrenpreis 1 kleine Handvoll

kleines Tausendgüldenkraut 2 große Handvoll

Bitterklee 2 große Handvoll

Hopfengrüne (grüne Stengel) 2 große Handvoll

Kräutersaft gegen Skorbut (auch bei Magengeschwüren):

Löffelkraut 3 Handvoll

Hirtentäschel 2 Handvoll

Brunnenkresse 3 Handvoll

Erfrischender Kräutersaft (harntreibend):

Portulak 1 kleine Handvoll

Sauerampfer 1 kleine Handvoll

Lattich 1 kleine Handvoll

Lauch 1 kleine Handvoll

Schwarzwurzel 1 kleine Handvoll

Löwenzahn1 kleine Handvoll

Laudanum: Alkoholtinktur aus Opium und Safran; das Sydenham-Laudanum enthält 10% Opium und 1 % Morphium (20 Tropfen entsprechen 5 Hundertstel Gramm Opium; eine Mohnkapsel enthält 5 bis 6 Hundertstel Gramm).

Lotion: Die Pflanzen werden in Wasser gekocht und dann durch ein feines Tuch gefiltert; für Waschungen.

Mazeration: Die Pflanzen werden für kürzere oder längere Zeit in kaltes Wasser, Wein, Alkohol oder öl eingelegt, um so die löslichen Substanzen zu gewinnen (es kann sich dabei um Stunden, Tage oder auch Wochen handeln).

öle: Die Hälfte eines Gefäßes mit getrockneten Pflanzen oder kleingehackten Wurzeln auffüllen und mit öl übergießen. Drei Wochen bei milder Temperatur mazerieren lassen. Von Zeit zu Zeit schütteln. Durch ein Sieb gießen und in dunkle Flaschen füllen. Auf diese Weise gewinnt man medizinische öle oder Kräuteröle, die sich hervorragend für die Küche eignen. Lorbeer-, Rosmarin- und Thymian-öl: für gegrilltes Fleisch und gegrillten Fisch.

Johanniskrautöl: bei Schmerzen und Verbrennungen.

Kamillenöl: zum Einreiben bei Schmerzen.

ölsirup: Mischung aus ätherischen ölen und Zucker zum Aromatisieren von Flüssigkeiten und Getränken.

Räuchern: Kräuter auf glühender Holzkohle in geschlossenen Räumen verbrennen.

Salben: Präparate, die hauptsächlich aus Fettstoffen bestehen, mit oder ohne Wirkstoffe, zum äußerlichen Gebrauch.

Salbenverband: Salben auf verschiedener Basis, Schmalz, öl, Wachs, Pech, können als Grundlage dienen; die Verbandsstoffe können kalt oder warm über die Salben, die eingerieben oder nur aufgetragen wurden, gelegt werden.

Senfsalbe: Mischung aus Senfmehl und Wasser, die warm aufgetragen wird und eine gewünschte Hautreizung erzeugt.

Senfpflaster: Mull oder Gaze in Wasser tauchen, auswringen, auf einem Tisch ausbreiten, mit Senfmehl bestäuben. Um die gewünschte Stelle wickeln. Wenn der Kranke ein Prickeln verspürt, noch weitere zehn Minuten wirken lassen.

Sirup, einfacher: 180 g Zucker in 100 g Wasser (kalt oder warm) auflösen, anschließend mit den gewünschten Wirkstoffen vermischen.

Spezien: Unter diesem Wort gruppiert man Essenzen und

Pflanzen, die die gleichen Eigenschaften aufweisen (harntreibend, schweißtreibend usw.).

Spülungen, lindernde (Durchfall, Mastdarmentzündung, Hämorrhoiden): Leinsamen 15 g, kleinblütige Königskerze (Blätter) 150 g, kochendes Wasser 500 g, ziehen lassen, bis das Wasser lauwarm ist, durchsieben, dabei ausdrücken, mit einem Eigelb vermischen. Die Menge reicht für eine zweimalige Anwendung. Oder: Mohnblüte ohne Samen 20 g, kochendes Wasser 500 g, 2 Stunden ziehen lassen, dann 10 g Stärke in Pulverform einrühren. Oder 5 EL Essig, 400 g lauwarmes Wasser.

Sud: Für einen Sud werden die Pflanzen längere Zeit ausgekocht (möglichst dabei zudecken). Rinden und Wurzeln werden in der Regel länger gekocht als Stengel und Blätter. Die Pflanzen sollten immer kalt aufgesetzt werden.

Tee: Hier werden die Pflanzen kurz gekocht oder nur überbrüht. Sude werden meist für Einreibungen, als Badezusatz etc. verwendet, während Tees in der Regel getrunken werden.

Tinktur: Alkoholischer Auszug aus pflanzlichen oder tierischen Stoffen.

Verdampfung: Eine Pflanze oder Pflanzenmischungen werden in Wasser gekocht, um einen aromatischen Dampf zu erhalten (für Inhalationen, aber auch für Räume, in denen Kranke liegen).

Wäßrige Lösung: Ein Präparat, das durch längeren Kontakt der Pflanze mit Wasser erzielt wurde (siehe unter Mazeration, Sud und Tee).

Wein- oder Kräutergeist: Trinkbare Flüssigkeit, die durch Destillierung von Alkohol zusammen mit einem oder mehreren Kräutern erzielt wird.

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