Lavendel

Lavendel

Lavandula officinalis

Lippenblütler

Der Lavendel ist eine sehr kostbare Pflanze, die in Südfrankreich, Italien, Dalmatien in Höhen zwischen 700 m und 1400 m wächst und sich durch viele günstige Eigenschaften auszeichnet – die französische Sorte, die älteste uns bekannte, wird am meisten geschätzt.

Verwendete Teile:

Blüten und ätherisches öl, das durch Dampfdestillation der Pflanze gewonnen wird (in Frankreich werden pro Jahr zwischen 75000 und 150000 kg Lavendel-Essenz produziert).

Wichtigste bekannte Bestandteile:

Linalyl-äther, Geranyl-äther (35-55% Linalylazetat), Geraniol, Linalol, Cineol, d-Borneol, Limonen, 1-Pinen, Carophyllen, Butter- und Valeriansäure, Cumarin …

Eigenschaften:

Innerlich:

  • krampflösend (in hoher Dosierung erregend)
  • schmerzlindernd, wirkt auf die Gehirn- und Rückenmarkszentren beruhigend (Gehirn und Rückenmark, bei Aufnahme über den Verdauungstrakt oder die Haut, laut Cadeac und Meunier)
  • antiseptisch, bei innerlicher wie äußerlicher Anwendung bakterienbekämpfend (laut J. Marchand, Forgues und P. Neurisse)
  • die Gallenproduktion fördernd
  • harn- und schweißtreibend
  • stärkend, besonders das Herz
  • die Herznerven beruhigend
  • rheumabekämpfend
  • die Produktion der Magensäfte anregend
  • die Darmbewegungen fördernd
  • migränebekämpfend
  • wurmtreibend
  • das Einsetzen der Monatsblutung fördernd
  • blutdrucksenkend (laut Cajolle und Cazal)

äußerlich:

  • wundheilend
  • antiseptisch
  • Parasiten und Insekten bekämpfend
  • Schlangen- und andere Tiergifte bekämpfend
  • das Nervensystem regulierend

Anwendungsgebiete:

Innerlich:

  • Reizbarkeit, Krämpfe
  • Schlaflosigkeit
  • Fieberausschläge, Infektionskrankheiten
  • Melancholie, Neurasthenie
  • Erkrankungen der Atemwege: Asthma, Husten, Keuchhusten, Grippe, Bronchitis, Tuberkulose
  • Harnverhaltung
  • Rheuma
  • Schwächezustände bei Kindern
  • Magen- und Darmschwäche (Verdauungsstörungen, Blähungen)
  • Migränen, Schwindelzustände, Hysterie, Folgeerscheinungen von Lähmungen
  • Dünndarmentzündungen (Durchfall)
  • Typhus
  • Blasenentzündungen, Tripper
  • Skrofulose, Bleichsucht
  • Darmparasiten
  • ungenügende Monatsblutungen
  • Weißfluß
  • Bluthochdruck

äußerlich:

  • Wunden aller Art: normale, schlecht heilende (Beingeschwüre), infizierte, brandige, syphilitische, wuchernde; Analfisteln
  • chronische Ekzeme im Damm- und Analbereich
  • Weißfluß
  • Brandwunden
  • Lungenkrankheiten
  • Akne
  • Insektenstiche, Zusatzbehandlung bei Schlangenbissen
  • Läusebefall, Krätze
  • Haarausfall

Anwendungsarten:

Innerlich:

Heiltee: 1 TL Blüten auf 1 Tasse kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, 3 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten.

Lavendelgeist: 40 Tr. viermal täglich in etwas Wasser (harntreibend)

ätherisches öl: 2 bis 5 Tr. in Honig aufgelöst oder in einer alkoholischen Lösung, zwei- bis dreimal täglich. Zur Schmerzlinderung: 1 g nüchtern; setzt die Empfindlichkeit herab und dämpft das Denkvermögen, ohne es auszuschalten.

Bei Geschlechtskrankheiten täglich 2 bis 10 Perlen mit 0,5 bis 1 mg deterpenierter Lavendel-Essenz (antiseptisch und schmerzlindernd, den Essenzen von Sandelholz, Zeder und Kopavi vorzuziehen).

Heiltee aus fünf Blüten: harntreibend bei Infektionskrankheiten und Fieberausschlägen (nach H. Leclerc). Lavendelblüten 10 g, Ringelblumenblüten 5 g, Borretschblüten 5 g, Ginsterblüten 5 g, Ackerstiefmütterchenblüten 5 g, 1 EL auf 1 Tasse kochendes Wasser, 10 Min. ziehen lassen, 3 Tassen täglich.

äußerlich:

Sud: 1 Handvoll Blüten auf 1 I Wasser. 10 Minuten kochen lassen. Mit 1 I Wasser auffüllen. Als Vaginalinjektionen bei Weißfluß.

1 Handvoll auf 1/, I Olivenöl; im Wasserbad 2 Stunden erwärmen, 1 Nacht ziehen lassen, durch ein Tuch filtern und trockene Ekzeme damit betupfen.

Lavendelgeist: als Lotion und zum Einreiben (Rheuma)

Essenz: zum Auswaschen, Ausspülen und Verbinden von Wunden, auch von Brandwunden: deterpenierte Lavendel-Essenz 100 g, Natriumsulforizinat (33%) 900 g, in Wasser stark verdünnt (2 bis 4%); auch zum Verdampfen in öffentlichen Räumen (Verdünnung: 2%)

eine bakterienbekämpfende Mischung (für langsam heilende Wunden): Thymian-Essenz und Lavendel-Essenz zu gleichen Teilen oder deterpenierte Zitronen-Essenz und Carvacrol zu gleichen Teilen.

Ebenfalls bei Wunden und Brandwunden: Lavendel-Essenz in Verbindung mit anderen Essenzen in »Tegarome«, entweder in Wasser verdünnt oder unverdünnt aufgetragen.

Aromatisches öl zum Bepinseln von schlecht heilenden Wunden: Lavendel-Essenz 10 g, Olivenöl 100 g.

Syphilitische Wunden, Schanker, Analfisteln, Haarausfall: mit deterpenierter Lavendel-Essenz betupfen.

Weißfluß, Intimpflege: Borax-Pulver 100 g, deterpenierte Lavendel-Essenz 5 g, in Portionen ä 10 g aufteilen; jede Portion mit 1 I Wasser verdünnen, lauwarm als Vaginalinjektion anwenden.

Pomade für Analschrunden (nach Meurisse): deterpenierte Lavendel-Essenz 1 g, Vaseline-öl 5 g, Zinkoxyd 10 g, Wismut-Nitrat 4 g, weiße Vaseline 15 g.

Helmerich-Pomade (gegen Krätze): Tragantgummi 1 g, Kaliumkarbonat 50 g, Schwefelsublimat 100 g, Glyzerin 200 g, Lavendel-Essenz 1 g, Zitronen-Essenz 1 g, Pfefferminz-Essenz 1 g, Gewürznelken-Essenz 1 g, ZimtEssenz 1 g.

Stimulierende Lotion (nach Sabouraud): Lavendel-Essenz-Tinktur 30 g, reines Azeton 30 g, reines Natriumnitrat 0,50 g, Pilokarpin-Nitrat 0,050 g, destilliertes Wasser 30 g, Alkohol zu 90% 250 ml, mit dieser Lotion die Kopfhaut täglich einreiben.

Insektenstiche: Lavendel-Essenz und Alkohol zu gleichen Teilen mischen, den Stich damit einreiben.

Allgemeine Bäder (besonders für gebrechliche und schwache Kinder): Dem Badewasser Lavendel-Sud oder »Milch« beigeben.
Diese Bäder wirken beruhigend (Schlaflosigkeit, nervöse Störungen). Möglichst abends nehmen, mit Rosmarin-, Fichtennadeln-, Algen- und Kalmus-Bädern abwechseln.

Der große Lavendel (Lavandula spica) wächst am Meeresrand bis zu 500-600 m Höhe. Seine Essenz wirkt beruhigend auf das zentrale Nervensystem.

Diese Essenz enthält im Gegensatz zu der Essenz des Lavandula officinalis wenig äther auf der Basis von LinalylAzetat, dafür aber eine nicht unbeträchtliche Menge an Kampfer. Sie wird hauptsächlich bei der Herstellung von Firnis und als Insektenbekämpfungsmittel verwendet.

Im übrigen wurde durch Insektenbestäubung eine Hybride geschaffen: das Lavendin oder breitblättriger Lavendel genannt: Auch in Großbritannien, in der Gegend von Mitcham, wächst eine sehr geschätzte Lavendelart.

  • Notabene: Lavendel-Essenz wird von Jägern geschätzt: sie wirkt heilend bei Schlangenbissen. Wenn ihre Hunde in den Alpen von Vipern gebissen werden, pflücken sie Lavendel, zerreiben ihn zwischen den Fingern und reiben mit dem gewonnenen Saft die Bißwunde ein. Das Gift wird sofort neutralisiert.
    In 4,5%iger Verdünnung tötet Lavendel-Essenz die Eberth-Bakterie (Typhus) und den Staphylokokkus. In 5%iger Verdünnung die Loeffler-Bakterie (Diphtherie) (von den Professoren Morel und Rochaix 1926 nachgewiesen). Ihre antiseptische Kraft ist höher als die von Phenol, Kresol oder Guajacol.
    Noch in einer Dosis von 0,2% tötet Lavendel-Essenz den Tuberkulose-Erreger (von den Professoren Courmont, Morel und Bay 1928 nachgewiesen). Verdampft tötet sie den Pneumokokkus und die häm
    olitischen Streptokokken innerhalb von 12 bis 24 Stunden.
    Lavendelwasser: Frische Lavendelblüten 60 g, Alkohol zu 32% 1 I, einen Monat ziehen lassen, filtern.
    Lavendelblüten sind ein ausgezeichnetes Mittel gegen Motten und parfümieren die Wäsche.

Siehe unter:

Eukalyptus – das Rezept für Inhalationen,

Gewürznelke – das Rezept für englischen, aromatischen Essig.

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